Gastartikel: Andreas Kossmann über Landschaftsfotografie

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Gastbeitrag, Landschaft

Andreas, bitte stelle Dich kurz vor

Mein Name ist Andreas Kossmann und ich bin ambitionierter Landschafts- und Naturfotograf. Tobias hat mich bereits vor ein paar Wochen gefragt, ob ich Lust hätte, für seinen Blog einen Gastartikel über Landschaftsfotografie zu schreiben. Diese Frage habe ich natürlich spontan bejaht und ich möchte hiermit den Lesern von TOH-Fotografie.de einen Einblick in mein Vorgehen bei Landschaftsaufnahmen geben.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Zu Beginn meiner “Foto-Karriere” hatte ich eine meine Kamera hauptsächlich in Urlauben und bei Wanderungen dabei. Die entstandenen Fotos wurden meistens so im Vorbeigehen geschossen, d.h. ich habe etwas Interessantes gesehen und dann sofort abgelichtet. Die Ergebnisse sind (oder waren) sicherlich schon recht ansehnlich aber nicht vergleichbar mit dem Anspruch, den ich heute an meine Bilder habe. Zudem kam immer häufiger das Problem auf, dass die Wanderungen immer wieder durch meine Fotostopps unterbrochen wurden. Das stieß nicht bei allen Begleitpersonen auf Gegenliebe und führte bei mir unweigerlich zu einem gewissen Druck: nicht zu häufig anhalten und wenn, dann nicht lange, so dass nur Zeit für Schnappschüsse blieb. Die Fotos, die ich machen wollte und die ich in meinem Kopf als Vorstellung hatte, konnte ich so natürlich nicht umsetzen.

Wie hat sich das Thema Landschaftsfotografie bei Dir bis heute weiterentwickelt?

Landschaftsfotografie bedeutet für mich heute nicht mehr nur das einfache Abbilden der Natur, so wie sie mir in einem spontanen Moment zu Füßen liegt. Heute lasse ich mir viel mehr Zeit für meine Aufnahmen und stelle auch eine gewisse Planung voran. Das fängt schon damit an, dass ich interessante Motive und Landschaften natürlich auch weiterhin auf Wanderungen entdecke aber dann nicht mehr automatisch sofort auf den Auslöser drücke, sondern mir vielmehr Ort und Stelle für später merke. Natürlich gibt es auch hier weiterhin die Fälle, in denen ich sofort versuche, die Szenerie ansprechend festzuhalten. Vor allem dann, wenn mir schon vorher klar ist, dass ich so schnell nicht mehr an den entsprechenden Ort zurückkehren werde. Diese Aufnahmen sind aber dann auch oftmals nur fürs Familienalbum und schaffen es nicht durch mein strenges Auswahlverfahren auf meine Homepage und die Facebook Seite.

Wie bereitest Du das Shooting deiner Lieblingsmotive vor? Wo kommt deine Inspiration her?

Für bewusst geplante Aufnahmen fängt die Vorbereitung bereits zu Hause an. Ich suche dann manchmal im Internet nach Aufnahmen, die andere Fotografen bereits an diesem bestimmten Ort geschossen haben. Hilfreich dabei sind z.B. die Fotosuche von Google oder Seiten wie z.B. 500px.com oder flickr.com. Mir geht es dabei nicht darum, Vorlagen zu finden, die ich dann versuche nachzustellen, sondern eher darum, Inspirationen zu sammeln und ggf. Besonderheiten der Örtlichkeit vorab in Erfahrung zu bringen.

Mount Rundle in Kanada am Morgen

Welche Hilfsmittel setzt Du neben dem Blick in die bekannten Fotografen-Plattformen noch ein?

In einem weiteren Schritt nehme ich mir dann am Handy/Tablet Apps wie z.B. PhotoPills oder TPE (ThePhotographersEphemeris) zu Hilfe, um herauszufinden, wann an dem auserwählten Ort theoretisch die besten Lichtverhältnisse herrschen. Für Landschaftsaufnahmen sind besonders die ersten und letzten Sonnenstunden des Tages optimal, Stichwort „Goldene Stunde“. Das Licht ist rund eine Stunde nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang sehr warm und weich. Die Strukturen der Landschaft kommen in diesen Zeiträumen durch die tiefstehende Sonne besonders gut zur Geltung. Die Schatten sind lang und ohne harte Kanten. Ganz im Gegensatz zu den meist ungünstigen Lichtverhältnissen zur Mittagszeit, wenn die Sonne hoch am Himmel steht und für harte Schatten von oben sorgt, die die Landschaft flach wirken lassen. Zur blanken Theorie kommt dann natürlich noch der Wetterfaktor hinzu. Auch hier lassen sich heute viele Informationen im Internet abgreifen, um herauszufinden, ob ein Fotoausflug erfolgversprechend ist oder ob vielleicht mit Regen oder einer vollkommen geschlossenen Wolkendecke zu rechnen ist und man sich erst gar nicht auf den Weg machen muss.
Wenn dann alle Voraussetzungen passen muss ich mir vor Ort schon gar keine Gedanken mehr zu meinem Hauptmotiv machen, denn das habe ich ja bereits im Vorfeld gesichtet und für gut befunden. Im Sinne des landschaftsfotografischen Leitspruchs: „Vordergrund macht Bild gesund“ bin ich an Ort und Stelle eher damit beschäftigt interessante Elemente zu finden, die ich als Vordergrund mit in mein Bild einbauen kann. Diese Suche geht dann einher mit der Wahl eines passenden Blickwinkels, um eine ansprechende Bildkomposition zu vorzunehmen.

Drittelregel in der Landschaftsfotografie

Dabei versuche ich zumindest die wohl bekannteste fotografische Regel, die Drittelregel, bei der Komposition zu berücksichtigen. Sie schlägt vor, das Hauptmotiv nicht mittig, sondern zum Rand versetzt im Bild zu positionieren. Man teilt man das Bild virtuell in neun gleiche Rechtecke (Tic-Tac-Toe) und richtet die Kamera so aus, dass das Hauptmotiv auf oder zumindest in der Nähe einer der vier Schnittpunkte liegt. Für eine besonders ansprechende Bildkomposition eignet sich auch die Verwendung von Führungslinien, die im besten Fall sogar noch auf das Hauptmotiv zulaufen. Als Führungslinien können z.B. Straßen, Wege oder Zäune dienen, die den Blick des späteren Betrachters ins Bild führen.

Welches Kamera-Equipment bzw. Zubehör setzt Du in der Landschaftsfotografie ein?

Spätestens, wenn ich meine Komposition dann im Sucher oder per LiveView gefunden habe, kommt mein Stativ zum Einsatz. Ich nutze ein handliches Reisestativ der Firma Cullmann (Reverse 626) und dazu den Kugelkopf K-20X von Sirui. Auf Wanderungen oder Städtereisen verzichte ich meist darauf, weil ich ganz einfach keine Lust habe, es ständig mitzuschleppen. Aber bei der gezielten Fotografie zur besten Fotostunde habe ich es immer dabei. Es sorgt nicht nur dafür, dass man zuverlässig scharfe und unverwackelte Aufnahmen erstellen kann sondern hilft auch bei der genauen Ausrichtung der Kamera, um die mühsam erarbeitete Bild-Wunschkomposition beizubehalten während man die notwendigen Einstellungen an der Kamera vornimmt.
Bei Landschaftsaufnahmen arbeite ich meistens mit meinem SIGMA 10-20mm Ultraweitwinkel-Objektiv. Für eine ausreichende Schärfentiefe (Vorder- und Hintergrund sollen scharf abgebildet werden) verwende ich je nach Situation eine Blende zwischen 8 und 11. Ich fokussiere dann mit Hilfe des Einstellrings am Objektiv per Hand auf kurz vor Unendlich. Diese Einstellung hat sich für mein Objektiv bewährt. Ich bekomme auf diese Art durchgängig scharfe Fotos und die Ergebnisse sind wesentlich besser als mit der genauen aber umständlichen Methode über die sogenannte Hyperfokale Distanz.
Je nach Motiv und Lichtverhältnissen kommt dann noch mein Filterset zum Einsatz. Ein Pol-Filter eliminiert dabei unerwünschte Spiegelungen und intensiviert die Farben.

Bei sehr großen Helligkeitsunterschieden zwischen Himmel und Vordergrund setzte ich einen ND-Verlaufsfilter ein, um den Himmel etwas abzudunkeln und so eine gleichmäßige Belichtung zu erreichen. Möchte ich zeitgleich noch den Effekt von “weichem Wasser” oder verschwommen Wolken erzielen, kommt ein weiterer ND-Filter hinzu, um die Belichtungszeiten künstlich in die Höhe zu treiben. Bei dem ganzen Prozedere taste ich mich langsam an das gewünschte Ergebnis heran und probiere diverse Einstellungen aus. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass dieser Ablauf auch etwas Zeit kostet und ohne Stativ nur ziemlich mühsam zu bewerkstelligen wäre. Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, muss man für dieses “Vorspiel” also auch noch etwas Zeit bei den oben beschriebenen Planungen hinzurechnen. Und dann, wenn alles vorbereitet, ausgerichtet und eingestellt ist, heißt es manchmal auch: warten. Warten auf die richtige Lichtstimmung, um dann im entscheidenden Moment den Auslöser zu drücken.

Was passiert, wenn Du alle Fotos „im Kasten“ hast?

Wenn alles geklappt hat, komme ich in der Regel mit mehr als einer Handvoll brauchbarer Fotos nach Hause und kann mich dann nahtlos in die Nachbearbeitung stürzen. Ich speichere und bearbeite meine Bilder zu 90% in Lightroom CC. Photoshop nutze ich nur für ganz gezielte Anpassungen oder Aktionen. Aber über meinen Bearbeitungsworkflow ließe sich sicherlich ein eigener Beitrag verfassen…

Ich hoffe, ich konnte hier einen kleinen Einblick in meine Fotografie liefern, ein paar Tipps raushauen und vielleicht den eine oder anderen auch etwas inspirieren. Sollte es Fragen geben, kannst Du diese gerne direkt hier in den Kommentaren stellen oder auf meiner Homepage/Facebook-Seite loswerden. Ich freue mich auf Deinen Besuch auf meinen Seiten.

Ich wünsche allzeit gutes Licht!

Dein
Andreas Kossmann

Homepage: www.rahmenvisionen.de
Facebook: www.facebook.com/rahmenvisionen

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